Komplikationen mit Kontaktlinsen

Von Kontaktlinsenträgern unterschätzt – von Augenärzten gefürchtet

Da sich die Kontaktlinse, im Gegensatz zur Brille, in direktem Kontakt mit der Augenoberfläche befindet, besteht naturgemäß ein höheres Risiko. Die Schäden reichen von geringen Reizzuständen bis schweren Hornhautentzündungen, die zum Sehverlust eines Auges führen können.

Um Nebenwirkungen des Produktes Kontaktlinse zu vermeiden, empfiehlt es sich sie vom Facharzt für Augenheilkunde sorgfältig anpassen zu lassen und insbesondere alle Richtlinien zu Handhabung und Hygiene strengstens einzuhalten.

Dennoch ist auch bei sorgfältiger Handhabung das Risiko von Hornhautinfektionen bei Kontaktlinsenträgern grundsätzlich erhöht sodaß eine Infektion manchmal nicht verhindert werden kann.

Kontaktlinsenkomplikationen im Überblick

1. Conjunctivitis gigantopapillaris (Entzündung der Bindehaut)

Die Conjunctivitis gigantopapillaris oder gigantopapilläre Konjunktivitis ist im Wesentlichen eine allergische Reaktion der Bindehaut gegen das weiche Kontaktlinsenmaterial oder noch öfter mehr gegen die verwendeten Kontaktlinsenpflegemittel.

Viele Kontaktlinsenpflegemittel enthalten Stoffe, die toxisch für das Bindehautepithel sind und dadurch Bindehautveränderungen hervorrufen.

Die Bindehautveränderungen werden als kleinknotige Unregelmäßigkeiten auffällig (Follikel). Die Bindehaut kann ihrer Funktion, dem Tränenfilm wesentliche Substanzen beizusteuern, nicht nachkommen, woraus sich ein Syndrom des trockenen Auges entwickelt. Zusätzlich reiben die Follikel an der Hornhautoberfläche und bewirken ein deutliches Fremdkörpergefühl.

Für den Kontaktlinsenträger bedeutet das in den allermeisten Fällen eine Kontaktlinsenunverträglichkeit, die über mehrere Monate andauern kann. In manchen Fällen werden Kontaktlinsen dauerhaft nicht mehr vertragen. Verhindert werden kann die gigantopapilläre Conjunctivitis in den meisten Fällen durch den Einsatz der richtigen, also konservierungsmittelfreie Pflegemittel, die für die Bindehaut deutlich schonender sind (Peroxidsysteme). In manchen Fällen muss auch das Kontaktlinsenmaterial verändert werden, um wieder Verträglichkeit zu erzielen. Werden bei einer gigantopapillären Conjunctivitis weiter Kontaktlinsen getragen, besteht ein höheres Risiko für Hornhautinfektionen.

2. Hornhautinfektionen:

Hornhautinfektionen bei Kontaktlinsenträgern haben meist bakterielle Ursachen. Als Krankheitserreger kommen auch Viren und Pilze in Frage. Die Hornhautinfektion stellt sicher die gefährlichste Kontaktlinsenkomplikation dar. Meist dringen die Keime unter der Kontaktlinse über kleinste Verletzungen oder durch geschädigte Epithelzellen ins Hornhautgewebe ein und vermehren sich dort rasch. Für den Kontaktlinsenträger bedeutet dies meist sehr starke Schmerzen und auch starke Rötung des Auges, wodurch in den allermeisten Fällen umgehend ein Augenarzt aufgesucht wird.

Akanthamoeben Entscheidend ist die rasche Diagnose der Hornhautinfektion und die sofort eingeleitete lokale antibiotische Behandlung. Besonders gefährlich wird es, wenn aggressive Keime an der Infektion beteiligt sind, die ein rasches Einschmelzen der klaren Hornhaut bewirken können und manchmal derart starke Narben verursachen, die das Sehvermögen deutlich einschränken oder in seltenen Fällen sogar zur Blindheit des betroffenen Auges führen können. Besonders gefährliche Keime sind die Akanthamöben. Sie kommen typischerweise in hygienisch mangelhaftem Leitungswasser vor. Es ist daher sehr wichtig, die Kontaktlinsen nicht mit Leitungswasser abzuwaschen, sondern sie mit den entsprechenden Pflegemitteln nach Anleitung zu reinigen. Ein weiterer gefährlicher Keim, der sehr aggressiv das Hornhautgewebe beeinträchtigen kann, ist der Pseudomonas aeruginosa. Dieser Keim liebt besonders die feucht-warme Umgebung unter einer Kontaktlinse und findet sich häufig bei zu langem Tragen der Kontaktlinse.

Das zu lange Tragen der Kontaktlinse oder das Tragen der Kontaktlinsen über Nacht ist im Allgemeinen ein besonderer Risikofaktor für das Auftreten von Hornhautinfektionen. Entscheidend bei Hornhautinfiltraten ist die gezielte Therapie gegen den entsprechenden Keim. Bei Nichtgreifen eines Breitbandantibiotikums, das im Allgemeinen lokal angewendet wird, kann Ihre Fachärztin/Ihr Facharzt für Augenheilkunde einen Hornhautabstrich vornehmen, der zur Isolierung und Identifizierung des verantwortlichen Keimes dient und die gezielte Behandlung erleichtert.

3. Hypoxie (Sauerstoffmangel) der Hornhaut:

Ein Sauerstoffmangel der Hornhaut kommt besonders häufig dann vor, wenn die Kontaktlinse zu fest am Auge sitzt. Die Beweglichkeit der Kontaktlinse am Auge ist für die Sauerstoffversorgung der Hornhaut, die im Wesentlichen über den Tränenfilm erfolgt, besonders wichtig. Zur Erklärung: Die Hornhaut des Auges ist nicht vaskularisiert – also nicht durchblutet –, sodass die Sauerstoffversorgung eben von außen erfolgen muss. Falls eine Kontaktlinse zu fest angepasst wurde oder durch Unwissenheit und ohne Anpassung eine Kontaktlinse erworben wird, die zu fest am Auge sitzt, und daher eine Sauerstoffversorgung der Hornhaut nicht gewährleistet ist, kommt es zu Erstickungszeichen der Hornhaut. Diese äußern sich durch das Zugrundegehen der oberflächlichen Hornhautzellen, das Schmerzen und Rötung verursacht. Der Augenarzt kann diese abgestorbenen Zellen durch Anfärben des Epithels sichtbar machen und das Krankheitsbild erkennen.

Als Therapie ist hier ebenso die Kontaktlinsenkarenz entscheidend, sowie die Versorgung der Hornhaut mit befeuchtenden Augentropfen. In jedem Fall ist eine korrekte Kontaktlinsenneuanpassung von enormer Bedeutung. Bei chronischem Sauerstoffmangel kommt es zu Gefäßeinsprossungen in die klare Hornhaut, die so weit vorschreiten können, dass das Zentrum der Hornhaut erreicht wird und damit die Sehschärfe stark beeinträchtigt werden kann.

4. Das Syndrom des trockenen Auges:

Das Syndrom des trockenen Auges ist nicht nur ein Problem der Kontaktlinsenträger im Besonderen, sondern es gilt als sich ausbreitende Zivilisationskrankheit.

KontaktlinsenkomplikationenBei Kontaktlinsenträgern kommt dieses Syndrom besonders häufig vor. Für das beschwerdefreie Tragen von Kontaktlinsen ist naturgemäß ein funktionierender Tränenfilm erforderlich, damit die Kontaktlinse sich am Auge gut bewegen kann. Da heutzutage sehr viele Menschen einen Computerarbeitsplatz haben und/oder generell in Räumen beruflich tätig sind, die eine geringe Luftfeuchtigkeit aufweisen, ist dies insbesondere für Kontaktlinsenträger eine besondere Belastung. Es kommt zum Austrocknen des Tränenfilms und zum Festkleben der Kontaktlinse am Auge, wodurch immer wieder kleine Läsionen am Epithel entstehen können, die isehr schmerzhaft sein können. Abhilfe schaffen feuchtigkeitshältige Augentropfen, die im Idealfall frei von Konservierungsmitteln sind. Es ist auch darauf zu achten, dass am Arbeitsplatz kein Zug z.B. durch Computerbelüftungen direkt zu den Augen oder. zum Gesicht gerichtet ist. Auch Autofahrer sollten darauf achten, dass sie das Gebläse der Innenraumbelüftung möglichst nicht in Richtung Gesicht einstellen. Da der Tränenfilm auch durch andere Umweltfaktoren wie Pollen und Feinstaub in Mitleidenschaft gezogen wird, ist durchaus verständlich, dass Kontaktlinsenträger, die eben einen besonders guten Tränenfilm benötigen, früher als andere Menschen unter trockenen Augen zu leiden beginnen.